Dokumentarische Familienreportage! Wie bitte?

Es herrscht ein gewisses Chaos (nicht zuletzt oft auch bei den Fotografen selber) zwischen den Begriffen, die Familienbilder bzw. deren Entstehung beschreiben. Es ist mir aber ein grosses Anliegen zu erklären, was ich mache, also was ihr bei mir bekommt, und warum ich genau DAS gewählt habe und anbiete.

Lifestyle Bilder, Familienreportagen, dokumentarische Sessionen und noch viele andere sind Begriffe, die bei Familienfotografen zu finden sind. Doch was ist der Unterschied?

Wenn man sich zu einem Studio begibt, um Portraits machen zu lassen, weiss man meistens ungefähr was einen erwartet; aber bei so einer Session?

Im Grunde genommen ist es ganz einfach: ein dokumentarisch arbeitender Fotograf begleitet das Geschehen ohne einzugreifen. Das heisst konkret: es werden keine Anleitungen gegeben, keine Lichter gelöscht oder gezündet, keine Gegenstände aus dem Weg geräumt, keine Suggestionen gegeben, welche Aktivität zu machen oder wie und wo diese stattzufinden hat; es wird niemand ermuntert in die Kamera zu lächeln, sich zu umarmen oder zu küssen. Der Fotograf ist einfach dabei, beobachtet und versucht aus der gegebenen Situation, ein Bild zu machen, welches die Geschichte dieses Momentes, mit seiner eigenen Bildsprache, erzählt.

Klar, ich bin als Fotografin dabei. Ich versuche mich nicht während der Session unsichtbar zu machen, denn das würde sich komisch für alle Beteiligte anfühlen. Es ist also naheliegend, dass ich ein (hoffentlich kleiner) „Störfaktor“ bin. Kinder (und Babys!) sind nun mal auch fasziniert von dieser grossen schwarzen Kiste; die Eltern kennen mich nicht wirklich und sind deshalb anfangs vielleicht etwas zurückhaltend oder angespannt. Ich möchte mich aber so in die Familie, die ich fotografiere, integrieren, dass meine Präsenz nicht als störend empfunden wird. Ich spreche mit Eltern und Kindern, spiele mit den Kindern, esse mit der Familie. Es soll sich so anfühlen, wie wenn ein Freund zu Besuch da wäre. Erfahrungsgemäss vergessen die Kinder relativ schnell, dass ich als Fotografin da bin, und die Eltern sind dementsprechend auch recht schnell wieder damit beschäftigt einfach Eltern zu sein. Je länger eine Session ist, desto besser kann ich mich „sichtbar-unsichtbar“ machen; was aber nicht heisst, dass die Bilder der kürzeren Sessionen weniger echt und ehrlich sind.

Bei der Lifestyle Fotografie (was momentan viel mehr verbreitet ist, als der dokumentarische Ansatz) entstehen auch Bilder, die einem vielleicht recht ungestellt erscheinen. Doch bei dieser Art von Bildern, gibt der Fotograf Anleitungen, zum Beispiel bezüglich Aktivität oder Interaktion zwischen den Menschen, wie sie sich am besten im Licht präsentieren sollen, was sie anziehen sollen, welche Gesten wann und wie schön wirken usw. Es besteht also ein grundlegender Unterschied zwischen diesen zwei Arten von Fotografie.

Es geht mir nicht darum zu sagen, dies oder jenes ist besser oder schlechter. Es geht nicht darum zu sagen, diese Bilder sind schöner als die anderen. Es geht mir darum zu erklären, was dahinter steckt, wie diese Bilder entstehen und welche Gründe mich zu dieser speziellen Art der Fotografie bewegt haben.

Also, warum soll man (aus meiner Sicht) gerade eine dokumentarische Session buchen?

Auf den ersten Blick kann es vielleicht abschreckend wirken…

Einfach so sein, wie man ist? Ohne Anleitungen, die einer möglicherweise helfen, schmeichelhaftere Bilder zu bekommen, fotografiert werden?

Alles abbilden zu lassen, also nicht nur die schönen, friedlichen Momente, sondern auch die schwierigeren?

… Und der Alltag ist doch einfach mal langweilig?

Erstens, ich garantiere euch, ihr seid nicht langweilig! Es geht nicht darum, spektakuläre Aktivitäten oder Gesten abzubilden. Zweitens (und ganz wichtig!): es geht absolut nicht darum, euch bloss zu stellen oder extra auf die peinlichen Momente zu warten.

Es braucht wahrscheinlich auch eine gewisse Portion Mut, sich auf so etwas einzulassen, das gebe ich zu.

Jemand im Grunde genommen Fremdes in sein Haus und sein Leben einzuladen und reinzulassen.

Sich so zu zeigen, wie man ist (es soll doch das Einfachste der Welt sein, nicht? Aber das ist es nun mal nicht, im Gegenteil).

Wenn man aber diesen Schritt wagt, wird man meiner Meinung nach mit etwas Wundervollem belohnt; nämlich einem Einblick ins Leben, so wie man es selber nie sieht. Alle zusammen. Die kleinen Gesten oder Blicke zwischen euch, für immer festgehalten; vielleicht sogar welche, die ihr selber nicht wahrnehmt. Diese kleinen alltäglichen Momente, die so schnell vergessen werden, festgehalten, damit ihr euch immer daran erinnern könnt. Ich möchte mit meinen Bildern Emotionen wecken, damit ihr danach wie in einer kleinen Zeitmaschine diese so flüchtige Zeit wieder erleben könnt und mit euren Liebsten teilen könnt…

… Wer ist also der nächste Mutige?

Simona

By |2018-09-22T22:01:35+00:00September 14th, 2018|